...Das klingt dramatisch, doch genau in diese Richtung entwickelt sich der japanische Teemarkt. Was lange Zeit als selbstverständliches Alltagsgetränk galt, droht sich schrittweise in ein Luxusprodukt zu verwandeln.
Vom Trend zum Schock: Die Kettenreaktion, die die japanischen Teepreise um bis zu über 100 % in die Höhe treiben wird
Der Auslöser liegt nicht nur in Japan selbst, sondern in einer ganzen Kette globaler Entwicklungen. Weltweit ist Matcha zum Lifestyle-Symbol geworden: in Cafés von New York bis Berlin, in TikTok-Videos, auf Instagram, in Eis, Gebäck, Proteinshakes und sogar in Kosmetik. Die Nachfrage aus dem Ausland explodiert, und mit ihr die Preise für den Rohstoff, aus dem Matcha entsteht. Immer mehr Teeproduzenten reagieren, indem sie ihre Felder von klassischem Grüntee auf die lukrativere Matcha-Grundlage umstellen.
Für Sencha und andere traditionelle Sorten hat das eine unangenehme Folge: Es wird weniger davon angebaut, die Gesamtproduktion sinkt ohnehin seit Jahren, und was noch auf den Markt kommt, wird spürbar teurer. In manchen Anbaugebieten haben sich die Erzeugerpreise innerhalb kurzer Zeit um mehr als die Hälfte erhöht, bei einzelnen Qualitäten sind Steigerungen von bis zu 100 Prozent keine ferne Horrorvision, sondern ein realistisches Szenario. In diesem Artikel schauen wir uns an, welche Kräfte im Hintergrund wirken, warum sogar die japanische Regierung diese Entwicklung mit anschiebt, und wie Konkurrenz aus China den Preisdruck zusätzlich verschärft.
Ein globaler Hype, der den Heimmarkt austrocknet
Um zu verstehen, warum dein Tee teurer wird, lohnt sich ein Blick auf die Exportzahlen. Japans Ausfuhren von Grüntee, inklusive Matcha, haben im Jahr 2025 einen neuen Rekordwert von 721 Milliarden Yen erreicht, also rund 4,18 Milliarden Euro. Zum ersten Mal seit etwa 70 Jahren überschritt das Exportvolumen die Marke von 10.000 Tonnen. Über 30 Prozent dieser Exporte gehen in die USA, aber auch Länder wie Taiwan, Deutschland und andere europäische Staaten holen kräftig auf.
Gleichzeitig probieren unzählige Touristen Matcha zum ersten Mal direkt in Japan. Tee-Ketten wie THE MATCHA TOKYO berichten, dass knapp 70 Prozent ihrer Kunden aus dem Ausland kommen. Das Unternehmen betreibt inzwischen nur noch sechs Läden in Japan, dafür aber bereits 54 Standorte in Südostasien, Kanada und weiteren Ländern. Matcha hat sich von einer traditionellen Teezeremonien-Zutat zu einem weltweiten Lifestyle-Produkt entwickelt, das in Lattes, Desserts, Proteinprodukten und Kosmetikartikeln landet.
Dieser globale Boom sorgt dafür, dass genau die Teesorte bevorzugt angebaut wird, aus der Matcha entsteht: Tencha. Und hier beginnt das Problem für deinen alltäglichen Grüntee.
Warum Produzenten lieber für Matcha anbauen
Tencha bringt für die Produzenten viel höhere Erlöse als klassischer Sencha. Allein im vergangenen Jahr lagen die Tencha-Preise laut einem Genossenschaftsleiter in Shizuoka etwa sechs Mal höher als noch 2024. Wer Tee anbaut, steht damit vor einer einfachen Rechnung: Gleiche Fläche, deutlich höherer Gewinn. Die Folge ist ein massiver Flächenwechsel.
Ein Beispiel: Die Genossenschaft Ashikubo Tea Works in der Präfektur Shizuoka hat mit staatlicher Unterstützung rund 200 Millionen Yen (etwa 1,16 Millionen Euro) in neue Maschinen investiert und gleichzeitig ihren Anbau umgestellt. Von insgesamt 17 Hektar Teeplantagen sind inzwischen etwa 70 Prozent für Tencha reserviert. Früher waren es weniger als zehn Prozent. Was nach einer klugen Anpassung an den Markt klingt, bedeutet im Umkehrschluss: Für Sencha bleibt immer weniger Platz.
Parallel dazu schrumpft Japans gesamte Teeproduktion. In den letzten 20 Jahren ist sie um etwa 25 Prozent zurückgegangen und lag 2025 nur noch bei 75.100 Tonnen. Gründe sind Arbeitskräftemangel, eine alternde Landwirtschaft und der Umstand, dass neu angelegte Teefelder etwa fünf Jahre brauchen, bis sie erstmals geerntet werden können. Die Lücke zwischen steigender Matcha-Nachfrage und sinkender Gesamtproduktion wird also nicht kurzfristig geschlossen.
Preis-Schock bei Sencha und Fertiggetränken
Die Folgen spürst du direkt im Geldbeutel. In der Präfektur Kagoshima, dem größten Teeproduzenten Japans, lag der durchschnittliche Auktionspreis für die erste Sencha-Ernte im April bei 6.573 Yen, also etwa 38 Euro pro Kilogramm. Das ist rund das 1,6-Fache des Vorjahres. Steigerungen von 60 Prozent innerhalb eines Jahres sind schon Realität, und die Branche warnt, dass Verdoppelungen bei bestimmten Qualitäten durchaus im Bereich des Möglichen liegen, wenn der Trend anhält.
Auch Getränkehersteller reagieren bereits sichtbar. Unternehmen wie Ito En oder Coca-Cola Bottlers Japan haben im Frühjahr die Preise für Grüntee in 600- bis 650-ml-PET-Flaschen um etwa zehn Prozent angehoben. Das ist erst der Anfang einer Entwicklung, die sich schrittweise fortsetzen kann, wenn Rohware knapp bleibt und der Fokus weiter auf exportorientiertem Matcha liegt.
Die japanische Tee-Industrie warnt daher: Wenn Sencha teurer und seltener wird, droht das Getränk aus dem Alltag vieler Menschen zu verschwinden. Gerade jüngere Japaner trinken ohnehin schon weniger traditionellen Tee als ältere Generationen. Zusätzliche Preissprünge könnten den Konsum noch weiter drücken.
Wie die Politik den Trend verstärkt
Brisant ist, dass diese Entwicklung nicht nur durch den Markt getrieben wird, sondern auch politisch gewollt ist. Das japanische Landwirtschaftsministerium unterstützt den Umstieg von Sencha auf Tencha aktiv. Produzenten erhalten Zuschüsse für Schattierfolien, Spezialmaschinen und Verarbeitungsanlagen, damit sie Matcha-fähigen Tee in größerem Stil herstellen können.
Aus wirtschaftlicher Sicht ist das nachvollziehbar: Matcha zählt zu Japans wichtigsten Exportgütern, und die Regierung will die Chancen auf dem Weltmarkt konsequent nutzen. Für Teetrinker im In- und Ausland kann das aber bedeuten, dass klassischer Grüntee knapper wird und sich immer stärker in Richtung Premium-Produkt verschiebt.
Mit anderen Worten: Je erfolgreicher der Matcha-Boom, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass du für deinen gewohnten Tee deutlich mehr zahlst.
China als zusätzlicher Preistreiber
Hinzu kommt eine zweite Kraft, die den Markt in Bewegung bringt: China. Dort expandiert die Matcha-Produktion rasant. Gleichzeitig tauchen immer mehr Produkte auf, die mit starken Herkunftsbezeichnungen arbeiten, etwa mit Anspielungen auf berühmte japanische Regionen. In China werden inzwischen sogar Waren als Uji-Matcha verkauft, obwohl sie nicht aus der traditionsreichen Region um Uji in Kyoto stammen.
Experten wie der Direktor des Kyoto Tea Research Institute weisen darauf hin, dass einige chinesische Matcha-Produkte in Aroma und Geschmack inzwischen ein Niveau erreichen, das japanischer Ware nahekommt. Für industrielle Anwendungen, zum Beispiel in Süßwaren oder Massenprodukten, greifen Hersteller dann gern zur günstigeren Alternative. Das erhöht den Druck auf japanische Produzenten, sich über Qualität, Herkunftstransparenz und traditionelle Methoden abzugrenzen. Gleichzeitig drängt immer mehr günstigere „Matcha“-Ware auf den Markt, die aber oft weit hinter japanischen Qualitätsstandards zurückbleibt.
Für dich als Konsument heißt das: Echte japanische Herkunft und nachweisbare Qualität werden zu immer stärkeren Preistreibern. Wer bewusst zu Originalware greift, zahlt den Aufpreis mit.
Was das für Teetrinker weltweit bedeutet
Fasst man all diese Entwicklungen zusammen, ergibt sich ein klares Bild:
- Die globale Nachfrage nach Matcha steigt rasant.
- Japanische Produzenten verlagern ihre Flächen von Sencha auf Tencha.
- Die Gesamtproduktion von Tee in Japan sinkt seit Jahren um etwa ein Viertel.
- Die Erzeugerpreise für Sencha steigen bereits um 60 Prozent und könnten bei hochwertigen Sorten perspektivisch in Richtung 100 Prozent gehen.
- Fertiggetränke werden schrittweise teurer.
- Gleichzeitig drängt Konkurrenz aus China auf den Markt und verschiebt den Wettbewerb.
Wenn du also in den nächsten Jahren feststellst, dass dein Lieblings-Sencha oder die vertraute Flasche japanischen Grüntees im Regal plötzlich deutlich mehr kostet, ist das kein Zufall, sondern das Ergebnis eines globalen Matcha-Booms, politischer Förderprogramme und eines harten Wettbewerbs um Herkunft und Qualität.
Wer auch in Zukunft hochwertigen japanischen Tee genießen will, wird sich daran gewöhnen müssen, genauer hinzuschauen, bewusster auszuwählen und einen höheren Preis als bisher zu akzeptieren. Genau deshalb lohnt es sich, die Entwicklungen im Auge zu behalten, bevor aus deinem Alltagsgetränk endgültig ein Luxusgut wird.
Was wir bei KOBU für dich tun können
Bei KOBU verfolgen wir diese Entwicklungen sehr genau, weil sie direkten Einfluss auf die Tees haben, die wir für dich auswählen. Wir arbeiten seit Jahren eng mit Produzenten, Kooperativen und Händlern in Japan zusammen und nutzen unser Netzwerk, um möglichst früh auf Veränderungen im Markt zu reagieren.
Unser Ziel ist es, Preissteigerungen für dich so lange und so gut wie möglich abzufedern. Durch langjährige Beziehungen, gezielte Vorausplanung und sorgfältige Auswahl der Qualitäten können wir oft bessere Konditionen verhandeln, als es auf den ersten Blick erscheint. Gleichzeitig möchten wir transparent sein: Wenn sich die Erzeugerpreise in Japan um 100 bis 150 Prozent Steigerung bewegen, wird es auf Dauer nicht möglich sein, unsere Verkaufspreise komplett stabil zu halten, ohne bei Qualität oder Herkunft Abstriche zu machen.
Genau das wollen wir vermeiden. Wir stehen für authentischen, hochwertigen japanischen Tee, und diese Qualität werden wir auch künftig nicht verwässern. Du kannst dich darauf verlassen, dass wir jede Preisanpassung sehr bewusst vornehmen, offen kommunizieren und weiterhin alles daransetzen, dir originale, fair bepreiste Tees aus Japan zu liefern, die ihren Ursprung und ihren Wert wirklich verdienen. Außerdem werden wir bemüht sein passende Alternativen anzubieten.
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